southeastadventures

Um dem trüben deutschen Herbstwetter zu entfliehen, haben zwei tapfere Vagabunden sich entschlossen ihren Sommer zu verlängern. Sie folgen der Sonne und starten eine große Ralley durch die beeindruckendsten Länder des asiatischen Kontinents. Auf dieser Seite könnt ihr vom Start in Delhi bis zum Ziel in Bangkok ihren Weg verfolgen. Viel Spaß...

Sonntag, 2. Dezember 2007

Wie findet ihr die Freitagsausgabe der Nationalzeitung?



Propaganda ueberall und auf jeder Seite! Was "Radio Free Asia", "Voice of America" und "BBC " wohl dazu sagen werden?


Der groesste Artikel im Sportteil war dem ersten Volleyball-Turnier der Minister gewidmet!!!

Mandalay - 02.12.2007

Fuer heute hatten wir uns mit dem "hauseigenen" Taxifahrer zu einer Stadtrundfahrt verabredet. Dieser half morgens im Restaurant aus und servierte uns das Fruehstueck. Als Gegenleistung des Hotels durfte er uns seine Dienste anbieten und uns waehrend des gesamten Fruehstuecks vollquatschen, was wir alles machen sollten und das wir es natuerlich alles am besten mit ihm machen sollten. Doch zuerst gingen wir kurz ins Internet. Diesmal gab es einen 2:1 Sieg ueber den HSV zu feiern.


Taxi in der Naehe unseres Hotels


Um 9.30 Uhr ging es dann im kleinen Mitsubishi Blue-Taxi des guten Mannes los. Wir mussten uns ein wenig quetschen, da die umgebaute Ladeflaeche seines Gefaehrts nicht auf Europaeer ausgerichtet war.


Unser Taxi vor einem Atiquitaetengeschaeft


Zu Beginn besuchten wir die "Shwe In Bin Kyaung Monastery", eine sehr schoenes, recht kleines, hoelzernes, altes Kloster aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Eigentlich haetten wir Eintritt zahlen muessen, aber es war niemand vor Ort, der abkassieren wollte. Nachdem wir eine ganze Weile auf Alastair warten mussten, konnte es weitergehen.

Jetzt ging erst einmal die Verkausshow los. Unser Guide wollte schliesslich etwas verdienen. Wir hielten vor zwei Shops, in denen uns ziemlich die gleichen Produkte angeboten wurden, vergoldete und hoelzerne Buddhastatuen, Marionetten, Schmuck und viele weitere Souvenirs. Wir liessen es ueber uns ergehen und schafften dies auch ganz gut ohne etwas zu kaufen. Im zweiten Laden stiessen wir auf eine deutsche Reisegruppe gehobenen Alters. Es ist wirklich auffaellig, wie viele Deutsche man hier trifft. Wenn man irgendwo Touristen sichtet, steht die Chance bei geschaetzen 70 %, dass dies die Unsrigen sind.

Anschliessend wollte unser Guide gleich weiter zum naechsten Shop, doch wir hatten erst einmal genug, schliesslich taten wir es auch nur fuer ihn. Er bekam immer ein wenig Geld zugesteckt, wenn er uns in einen dieser Konsumtempel ablieferte. Aber wir wollten in unserem Programm vorankommen und da stand als naechstes die "Mahamuni Pagoda" auf dem Programm.


Mahamuni Pagode


Diese Pagode erreichte man von allen vier Himmelsrichtungen durch ueberdachte Verkaufsgaenge. In der Mitte eines mit Marmor ausgelegten Platzes stand diese goldene Pagode, die einen Buddha beherbergt, vor dem die Einheimischen beteten. Aufgrund der Taubenansammlungen war es nicht angenehm barfuss umherstreiften. Da das Programm schon sehr weit vorangeschritten war, legten wir einen zusaetzlichen Stop am Markt und bei Goldblattherstellern ein.

Zu geniessen waren vor allem die Stadtfahrten. Die Strassen waren ramponiert, jedoch wunderschoen mit Baeumen bewachsen. Die Verkehrsmittel waren heillos ueberladen, sowohl mit Waren, als auch mit Personen. Zudem sah man trotz der niedergeschlagenen Demonstrationen sehr viele Moenche, eigentlich ueberall.


Blattgold-Herstellung


Danach wollten wir erst einmal etwas Essen. Wir fragten unseren Begleiter, ob er uns in ein kleines, nettes Restaurant fahren koennte, in dem man zusammen mit Einheimischen deren Kueche geniessen kann. Er brachte uns in ein Hinterhoflokal, welches weder durch ein Schild als solches ausgewiesen war, noch konnte man in irdgendeiner Weise auf ein Restaurant schliessen. Das Essen war in Ordnung. Das Fleisch jedoch wurde mit Knochen serviert.


Mittagspause


Nach der Mittagspause fuhren wir an den Fusse des Mandalay Hills. Hier befand sich die von uns erkohrene Klosterzentrale Mandalays. Hier stand ein Kloster mit samt seiner Pagoden neben dem anderen. Dementsprechend viele Moenche liefen hier herum. Zuerst hielten wir an dem "Shwenandaw Kyaung Monastery". Dieses war besonders alt und aus Holz erbaut. Einziger Nachteil war, dass wir es nicht betreten durften. Schliesslich hatten wir das zehn Dollar teure Ticket nicht gekauft, um den Staat zu boykottieren. Angeblich wurde vor einige Jahren der Mandalay Palace, der auch mit dem gleichen Ticket betreten werden durfte, durch Strafgefangene restauriert.

Wir liefen zur nahe gelegenen "Atumashi Kyaung monastery". Dieses Kloster schien ein Klotz zu sein, der nach oben abnimmt, nicht besonders reizvoll. Doch hinein durften wir auch hier nicht. Bisher jedoch war es nicht schmerzhaft. Ganz anderes bei der "Kuthodaw Paya", einer goldenen, sehr grossen Pagode, um die das groesste Buch der Welt mit seinen 729 Marmorplatten aufgestellt war. Wir sahen leider nur einige Buecher, die noch vor dem Eingang unter kleinen weissen Pagoden standen.


Ein Teil des Buches!!!


Es ging weiter zur ebenfalls nahegelegenen Sandamani Paya. Diese durften wir betreten. Es war auch mit Abstand die schoenste Pagode, golden und um ihr herum ein Meer kleinerer weisser Pagoden. Hier trafen wir eine alte Frau. Sie erzaehlte uns in einem perfekten Englisch ihre Lebensgeschichte. Sie waere noch vor dem Beginn Junta aus einem englischsprachigen Land zu ihrem Mann nach Burma gezogen. Dieser und auch ihr Sohn seien schon verstorben. Als ehemalige Englischlehrerin wuerde sie keine Rente bekommen.

Ab diesem Zeitpunkt war uns klar, dass sie Geld verlangen wuerde. Doch sie war sehr sympathisch. Wir gaben ihr "nur" einen Dollar, obwohl sie dachte, sie wuerde mehr bekommen. Wir begruendeten dies damit, dass man hier jedem eine Kleinigkeit geben muesste. Wir verstanden, dass es nach den Preiserhoehungen fuer jeden schwer geworden ist zu ueberleben. Doch diese Frau wuerde ihren Weg schon gehen, zumal ihre Masche recht gut war.


Sandamani Paya




Zu allem Ueberfluss wurden wir auch noch von mehreren Maedels belagert, die Postkarten verkaufen wollten. Wir versprachen ihnen, dass wir spaeter welche kaufen wuerden. Am Ausgang dann das Missgeschick: Joe kaufte Postkarten. Jedoch verblieb ein Maedchen, dem wir es versprochen hatten, ohne Geld. Es ist auch verdammt schwierig sich alle Gesichter zu merken. Doch was sollten wir mit 40 Postkarten machen. Schliesslich koennten sie den Gewinn auch teilen.

Wir fuhren zum Aufgang des Mandalay Hills. Hier gingen wir noch schnell in die Kyauktawgyi Paya, die durch einen Verkaufsgang zu erreichen war. Die Pagode selbst sah man nicht. Stattdessen ging man direkt in einen grossen Raum, in dem in der Mitte ein Buddha stand.

Dann aber liefen wir den Mandalay Hill hinauf. Waehrend Simon und Alastair sich von Studenten anquatschen liessen, ging Joe vor und machte iregendwann, im Glaube oben angekommen zu sein, an einer Stupa eine Pause. Da die anderen beiden jedoch auf der anderen Seite der Pagode herumgelaufen waren, verfehlten wir uns. Joe fand den Weg nach oben schliesslich doch noch rechtzeitig zum Sonneuntergang.

Hier oben war die Ruhe dann Geschichte. Den Sonnenuntergang konnten wir ebenfalls nur stueckweise verfolgen. Grund waren einheimische Studenten, die um Englisch zu lernen und es in der Praxis zu sprechen, die Touristen ausfragten. Sowohl Simon, als auch Alastair und Joe wurden von unterschiedlichen Gruppen belagert. Joe wurde von einem Moench gefragt, ob wir nicht morgen in seine Englischstunde kommen koennten. Wir stimmten zu.

Der Weg nach unten war komplizierter. Waehrend wir uns weiterhin unterhalten mussten, ging das Licht aus. Wir stolperten die letzten Stufen hinunter zu unserem Taxi. Es ging zurueck ins Hotel. Wir assen noch bei unserem Stamminder. Nachdem wir noch kurz im Internet waren, schauten wir noch ein wenig Fussball. Wir mussten den Komfort eines Fernsehers schliesslich ausnutzen.

Mit dem Zug nach Mandalay - 01.12.2007

Nach dem Fruehstueck liessen wir es ein wenig ruhiger angehen, obwohl wir unbedingt den Zug nach Mandalay nehmen wollten. Die Rezeption beschrieb uns eine Abkuerzung die Gleise entlang. Als wir den Bahnhof erreichten, droehnte schon der Zug hinter uns. Um 8.00 Uhr standen wir am Bahnhof und konnten gluecklicherweise noch Tickets fuer den Zug in Richtung Mandalay bekommen, allerdings nur bis Pyun u Lwin und in der ordinary class.

Eigentlich muss jeder Tourist in Myanmar first class buchen. Wenn allerdings alles ausgebucht ist, darf man auch ordinary class fahren. Doch wir wollten unbedingt ordinary class fahren. Die Holzbaenke sind, wie ihr wisst, kein Problem fuer uns.

Der Zug setzte sich um 8.30 Uhr langsam in Bewegung. Und wenn wir "langsam" schreiben, dann meinen wir auch LANGSAM! Wir fuhren durch Taeler an vor allem beackerten Flaechen vorbei. Diese wurden noch wie im Mittelalter bestellt. So zog ein Ochse einen Pflug. Zwischendurch hielten wir an kleineren Bahnhoefen.




Uns fiel sofort ein Zivilist auf, der inmitten dreier Soldaten sass und ziemlich uebel zugerichtet war. Bei genauerem Hinsehen stellten wir fest, dass dieser Narben und Blutkrusten im ganzen Kopfbereich hatte. Er trug einen Kopfverband, das wohl weitere Blessuren verbergen sollte. Der junge Mann hatte eine Glatze und war mit ziemlicher Sicherheit ein Moench. Die Soldaten musterten uns genau. Sie hatten sicher nicht damit gerechnet, dass in diesem Abteil Touristen sein wuerden.

Wir mussten also genau aufpassen, was wir fotografierten. Auch als wir das von den Briten erbaute Gokteik Viadukt passierten, welches wir natuerlich aufgrund seiner militaerischen Wichtigkeit auch nicht fotografieren durften, machten wir dies mit bedacht und unter groesster Vorsicht. Aber nehmen lassen, wollten wir uns dies natuerlich nicht.


Gokteik - Viadukt


Blick vom Viadukt in die Tiefe


Bei einem Stop direkt nach der Ueberquerung des Viadukts sahen wir einen Militaertransport, ein ganzer Waggon voller Soldaten. Dies sollten auch die einzigen Personen am heutigen Tag sein, die uns nicht freundlich laechelnd und winkend begruessten. Die Menschen hier sind einfach alle freundlich und herzlich. Sie freuen sich ueber jeden Touristen, den sie sehen.

In Pyun u Lwin angekommen, so gegen 16.00 Uhr, waren die ersten, die den Zug verliessen, natuerlich die Soldaten, die unseren Moench moeglichst schnell abtransportieren wollten. Er durfte sich nicht einmal umdrehen. Waehrend der Zug umrangiert wurde, kauften wir uns noch schnell das Ticket fuer die Weiterfahrt. Diesmal mussten die erste Klasse buchen. In der ersten Klasse waren die Holzplanken von kleinen Sitzmatten bezogen. Bequemer war es nicht unbedingt.

Um 17.00 Uhr ging es dann weiter. Ein Moench hatte sich zu uns gesellt. Von ihm erfuhren wir viel ueber die Art, wie die Moenche leben, was sie den ganzen Tag so treiben und welchen Sinn das Leben hat. Er war sehr redselig, so lange es nicht in Richtung Kritik am hier herrschenden System ging.

Die Fahrt durch die Dunkelheit dauerte doch noch etwas laenger als erwartet. Vor allem die Abfahrt vom Shan-plateau in die Ayaryawady-Ebene, in der Mandalay liegt, war zeitaufwendig, da wir in "Serpentinen" ohne einer jeglichen Kurve den Berg hinunterfuhren. Am Ende einer jeden Schraegen mussten die Weichen gestellt werden, dann ging es in die gegengesetzte Richtung weiter hinunter.

Zudem mussten wir in Mandalays Vororten eine ganze Weile stehen bleiben. Endlich angekommen in Mandalay, gegen 22.00 Uhr, verabschiedeten wir uns von unserem Freund und nahmen uns nach zaehen Verhandlungen ein Taxi in ein Hotel. Wir hatten noch genug Zeit, um einzuchecken und schnell noch etwas beim Inder um die Ecke zu Essen. Um 22.59 Uhr waren wir allerdings wieder zurueck im Hotel, gerade noch rechtzeitig, denn um 23.00 Uhr beginnt die hier immer noch gueltige Ausgangssperre.

Im Zimmer gab es endlich mal wieder Fernsehen. Doch darueber freuten wir uns zu frueh. Ein Stromausfall folgte dem Anderen. Dies ist in diesem Land aber ziemlich normal. Man koennte meinen, dass die Zeit, in der es keinen Strom gibt, laenger ist, als die, in der es ihn gibt.

Myanmar, wir kommen - 30.11.2007

Unser Guide war ein bisschen unpuenktlich, dafuer dass er derjedige war, der so frueh wie moeglich aufbrechen wollte. "Fruehstuecken" mussten wir auch noch. Wir fuhren mit dem Guide und unserem Fahrer zu einem Lokal im Ort. Simon bekam eine Nudelsuppe, Joe bestand auf Spieglei mit suessem Brot. Im Endeffekt fuhren wir erst gegen 8.00 Uhr los.

Zu Beginn ging es an einem riesigen Holzlager vorbei, wo das Hartholz der burmesischen Waelder zum trocknen gelagert wurde und auf die Weiterfahrt nach China wartet. Kurz und schmerzlos: Myanmar hat eine der hoechsten Entwaldungsraten der Welt, 50% Wald gibt es hier noch, minus 1,4% jaehrlich. Und so sieht das dann aus:




Wir zaehlten 19 dieser Transporte auf dem Weg nach Lashio. Unser Guide meinte, die Waelder gaebe es schon lange nicht mehr, das Holz wuerde im ganzen Land nur herumliegen und auf den Abtransport warten.

Also wenn die Chinesen weiterhin keine Ruecksicht auf Nachbarstaaten wie Laos und Myanmar nehmen, nur weil die chinesischen Waelder zu Schade fuer den Raubbau sind, dann wird es die der Laoten und Burmesen in zehn Jahren wirklich nicht mehr geben.

Fuer die 175 Kilometer nach Lashio benoetigten wir knapp vier Stunden. Anfangs fuhren wir noch durch schmale unbewaldete Taeler in der Grenzregion. Nach einer Weile ging es dann quer durch den sperrlich bewohnten Shan State. Wir entfernten uns von der chinesischen Grenze und fuhren durch das meist mit Sekundaerwald ueberwucherte bergige Gebiet der Minderheit der Shan, die im Osten des Landes leben.


Shan-Staat


Es gab auch Shifting Cultivation, aber nicht in dem Masse, wie wir sie anderswo miterlebt hatten. Vielmehr wurden die kleinen Ebenen entlang der Strasse genutzt. Es ging weiter ueber kleine Berketten hinunter in eine riesige genutzte Ebene, wo wir eine kleine Pause einlegten. Eigentlich sollte hier Mittag gegessen werden, doch es war gerade einmal 11.00 Uhr. Wir beschraenkten uns auf einen Kaffee und ein paar Orangen.

Unser Guide, der uns auch schon ueber die Grenze brachte, hatte heute einen Fahrer dabei. Wir wussten nie so recht, wer von den beiden der Maulwurf war, doch unser Guide schien es nicht zu sein. Zu sehr gab er uns freudig Auskunt ueber die Regierung. Was davon stimmt, weiss man nicht, zumal er drei Monate fuer diesen Job mit Toursiten ausgebildet wurde.

Lashio, in einer grossen Ebene gelegen, erreichten wir gegen gegen 12.45 Uhr, nachdem wir weiter die Berge hinuntergefahren waren und insegesamt zwei Check-Points (einen kurz nach der Grenze, einer kurz vor Lashio) passiert hatten. Es ist eine kleine Provinzhauptstadt, die wir aufgrund des Zeitmangels auch schnell wieder verlassen wollten. Hier gab es nicht viel zu sehen, ausser einen Markt.

Also beschlossen wir den Bus weiter nach Hispaw zu nehmen, der um 14.00 Uhr losfahren sollte. Wir hatten von nun an eine gute Stunde Zeit, um den Markt zu sehen. Als wir nach gut einer halben Stunde jedoch immer noch planlos herumirrten, entschlossen wir uns ein Taxi zu nehmen. Nach 10 Minuten Marktbesichtigung mussten wir dann auch schon wieder zurueck zum Busbahnhof. Doch es war trotzdem lohnenswert.


Markt in Lashio


Der "Bus" (ein hoeher gelegtes, laut brummendes, Russwolken hinter sich herziehendes Gefaehrt aus den 70ern) fuhr wie geplant mit einer halben Stunde Verspaetung los. Doch es war ein Erlebnis. Wir hatten nummerierte Plaetze, doch das war die einzige Ordnung in diesem Laden. Die letzten fuenf Reihen waren vollgepackt mit Saecken, natuerlich bis unter das Dach. Die uebrigen Saecke, die noch mit mussten, wurden auf dem Boden ausgelegt, sodass man nur mit angewinkelten Beinen sitzen konnte. Auch der Gang war vollgepackt.

Nach zwei Stunden Fahrt, anfangs durch genutztes Gebiet und an unzaehlige Doefern vorbei, spaeter durch kleine Regenwaldgebiete, erreichten wir nach der Ueberquerung einer "Bruecke" Hispaw. Die Beine schmerzten. Hier wollten wir unser Nachtlager aufschlagen, um morgen den Zug nach Mandalay zu nehmen.

Nach dem Einchecken stand noch der Besuch des Neffens des letzten Schan-Koenigs auf dem Programm. Doch unser Hostel teilte uns mit, dass der alte Mann seit einem Jahr im Gefaengnis einsitzt. Anscheinend hat er den Touristen zu viele regimekritische Dinge erzaehlt.

Also gingen wir essen, es gab leckeres gegrilltes Fleisch mit Bratkartoffeln, eine Raritaet. Die Portionen waren sehr gross, doch das Tofu, vom Chef ausgegeben, mussten wir aufessen. Hier fielen uns zwei Einheimische auf, die sich in unsere Naehe gesetzt hatten. Sie hoerten uns gespannt zu und unterhielten sich ueber uns. So schien es uns. Am naechsten Morgen sahen wir sie erneut vor unserem Hostel stehen, wie sie einfach nur herum standen und die Touristen und ihre Gespraechspartner begutachteten.

Nur zu gut, dass wir an diesem Abend im Restaurant fuer die wichtigsten Begriffe nach Ersatz gesucht und natuerlich auch gefunden hatten. Schliesslich wollten wir uns weiter auf englisch mit Alastair unterhalten. Hier die wichtigsten Synonyme:

brumesische Regierung und Verbuendete = Chopsticks
Demokratie = Schnitzel
Nobelpreistraegerin und Unterstuetzerin der Demokratie = Gretel

Dementsprechend hassen wir die Chopsticks und unterstuetzen Gretel, weil wir Schnitzel fuer alle wollen.

Nach dem Abendessen tranken wir auf der Terasse unseres Hotels noch ein Bierchen, ehe wir zu Bett gingen. Morgen sollte ein anstrengender Tag folgen.

Boarder crossing - 29.11.2007

Um 8.00 Uhr standen wir in der Rezeption, um unseren "Guide" anzurufen, der uns um 9.00 Uhr ueber die Grenze bringen sollte. Alastair, unser schottischer Weggefaehrte, war schon vor uns da und teilte uns mit, dass der gute Mann zur Zeit leider nicht zu erreichen sei und wir es um 9.00 Uhr erneut versuchen sollten. Mehr konnte ihm die Sekretaerin der Agentur auch nicht erzaehlen, denn auch sie konnte den Guide nicht erreichen. Er hielt sich noch in Myanmar auf und hatte deshalb keinen Empfang auf seinem Handy.

Um 9.00 Uhr versuchten wir es erneut, doch er war immer noch nicht zu erreichen. Wir waren mittlerweile ziemlich genervt und versuchten erneut die Agentur und in der "Niederlassung" vor Ort anzurufen, in der wir gebucht hatten. Doch auch hier hatten wir keinen Erfolg. Um 10.00 Uhr unternahmen wir einen weiteren Versuch. Aber wir erreichten natuerlich wieder nichts.

Der Mann aus der Agentur, der uns die Tour verkauft hatte, sagte uns jetzt, dass der Guide immer noch in Myanmar sei und es auch noch mindestens bis 14.00 Uhr dauern wuerde, bis dieser unseren Ort erreichen sollte. Nun waren wir natuerlich sauer. Aber was sollten wir tun? Eigentlich sollten wir schon am Nachmittag Lashio in Myanmar erreichen. Jetzt sah es so aus, als ob dies ein grosses Problem werden wuerde und es sogar seien koennte, dass wir heute gar nicht mehr das Land verlassen koennten.

Wir entschlossen uns, erst einmal zu essen und dann weiter unser Glueck zu versuchen. Doch auf ein chinesisches Fruehstueck hatten wir gar keine Lust. Gluecklicherweise sprach Alastair ein wenig chinesich und so konnten wir uns zu einem Burgerrestaurant durchfragen. Ihr denkt euch jetzt sicher: Burger zum Fruehstueck? Aber lasst euch gesagt sein, dass ein Burger zum Fruehstueck im Vergleich zu einer Nudelsuppe mit Koreander und "Fleisch" Gold wert ist! So gaben wir unsere letzten Yuan fuer einen Burger mit Pommes und Cola aus.

Nun mussten wir schnell zurueck ins Hotel, um auszuchecken. Alastair lieh uns noch ein bisschen Kleingeld, um ins Internet zu gehen und so verbrachten wir die Wartezeit mit dem Schreiben des Blogs. Zurueck in der Hotellobby um 14.00 Uhr, meldete sich nach einiger Zeit unser Guide und teilte uns mit, dass es zu spaet sei, heute noch nach Lashio zu fahren, da die Checkpoints nur bis um 18.00 Uhr geoeffnet seien.

Wir waren verdammt sauer und versuchten ihm klarzumachen, dass wir ein Abkommen hatten, er dieses gebrochen haette und jetzt zusehen sollte, wie er den Schaden begrenzen koennte. Wir waren immer noch in China, hatten kein chinesisches Geld mehr und auch keine Lust noch eine weitere Nacht in dieser langweiligen Stadt zu verbringen.

Doch all dies interessierte ihn wenig. Er bot uns nur an, dass wir unser Geld zurueck bekommen koennten, wenn wir die fahrt nicht mehr antreten wollten. Doch dies lag natuerlich gar nicht in unserem Interesse und er wusste, dass seine Organisation die einzige war, die berechtigt war Touristen ueber die Grenze zu bringen.

Nach langer Diskussion bot er uns an, uns abzuholen, mit uns die Formalitaeten an der Grenze zu erledigen und dann in der Grenzstadt zu naechtigen, immerhin etwas, wir sind weg aus China und endlich in Myanmar. Die Ausreise verlief reibungslos. Die chinesischen Grenzbeamten waren sehr freundlich und hilfsbereit. Einer fragte Joe, weshalb wir nur fuenf Tage in China geblieben waeren. Er war ein bisschen beleidigt, dass wir laenger in Myanmar bleiben wuerden, als in seinem Reich.

Auf der anderen Seite des riesigen chinesischen Grenzgebaeudes stand nur eine kleine Holzbaracke, an der nur die Flagge darauf hinwies, dass dies ein offizielles Gebaeude sei. Hier dauerten die Formalien eine knappe Stunde. Wir mussten allerdings nicht viel mehr tun, als zu warten, bis unser Guide und die Angestellten die Boegen fuer uns ausgefuellt hatten. Eine Unterschrift durfte natuerlich nicht fehlen. Endlich waren wir in Muse.

Anschliessend fuhr uns unser Guide mit einem Auto, das er an der Grenze abgestellt hatte in das Buero seiner Organisation, um weitere Formalien zu erledigen. Wir bekamen Tee und Kaffee. Anschliessend bezogen wir unser Hotel, assen zu Abend und genossen das erste burmesische Bierchen.




Es ging weiter ueber den Nachtmarkt. Doch so recht sollte keine sueostasiatische Stimmung aufkommen. Zu sehr beeinflussten die Chinesen die Grenzregion. Es wurde sehr viel gebaut, Handys gab es auch. Einzig und allein die maroden Fahrzeuge liessen darauf schliessen, dass wir in einem sehr aermlichen Land sind.

Joe ging recht frueh zurueck ins Hotel, waehrend Simon mit Alastair noch einmal in Richtung Grenze schlenderte. Sie wollten sehen, wie sich in der Dunkelheit duestere Gestalten durch den Fluss den Weg ueber die Grenze bahnten. Auf ihrem Weg sahen sie ploetzlich interessante Kneipen und entschlossen hier eine Pause einzulegen. Nur wie sollten sie ueber den Zaun kommen? - Die Antwort war recht einfach, gar nicht. Denn die Laeden auf der anderen Seite des Zaunes waren in China und das Ueberklettern des Zaunes wohl lebensgefaehrlich.